Montag, Juli 05, 2004

Ökonomisch

Mein Mandant wird bedroht und zwar damit, dass seine Existenz vernichtet werden soll; Dienstgeber, Freunde etc. sollen erfahren was er nicht alles verbrochen hat und was für ein schlechter Mensch er ist. Die Anschuldigungen sind zwar unwahr, aber mein Mandant (in respektabler Stellung) hat doch Angst, weil Gerüchte ja oft mit der Wahrheit verwechselt werden.
So zu drohen steht unter Strafe ( § 107 StGB).
Mein Mandant geht also zur Gendarmerie und will Anzeige erstatten.
Zuerst meint man dort es gäbe gar keinen entsprechenden Tatbestand und für das Waschen von Schmutzwäsche sei man nicht zuständig. Nachdem der Bedrohte standhaft bleibt, wählt der Beamte folgende überaus ökonomische Vorgangsweise: Er ruft bei der Person, die angeblich gedroht hat an (!!) und fragt, ob die Anschuldigung richtig sei. Das wird verneint.
Damit ist die Sache erledigt kein Grund ein Protokoll aufzunehmen - das zahlt sich ja gar nicht aus...
Was wir uns an Strafverfahren ersparen könnten, wenn nur alle so energische Erhebungen durchführen würden.