Dienstag, Juni 08, 2004

Rollenspiel

Eine ältere Entscheidung (OGH 26.2.2003, 3Ob 221/02z) von der ich schon bei einem Seminar gehört habe, ist jetzt auch veröffentlicht (ZVR 2004/45).

Bei einem Selbsterfahrungsseminar stellte die Klägerin den Tod dar und sollte der Beklagten klar machen, dass es kein Entrinnen geben würde, jeder müsse letztlich sterben. Dazu sollte nonverbal ausgedrückt werden, was "aus der Tiefe der Seelen hervorkommt".
Der Tod drängte die arme Seele mit ausladenden Bewegungen zurück. Diese versuchte zu flüchten, doch der Tod war unerbittlich und drängte sie immer weiter zurück. In einem letzten Aufbäumen ging aber plötzlich die arme Seele (und später Beklagte) auf den Tod los, packte ihn am Oberarm, riss ihn zu Boden und fügte ihm eine schwere Knieverletzung zu.
Hiezu der OGH:"Das Zubodenwerfen des Teilnehmers eines psychotherapeutischen Seminars durch einen anderen ist bei einem Rollenspiel, bei dem zwar körperliche Berührungen vorkommen, Aggressionen aber eher selten sind und nur in milder Form vorkommen, nicht zu erwarten. Eine derartige Tätlichkeit ist daher nicht vom Grundkonsens der Teilnehmer gedeckt."
Entsprechend wurde die beklagte zu Schadenersatz verurteilt.
Nur ein Etappensieg gegen den Tod also; Wie es nunmehr um die geistige Verfassung der armen Seele steht, ist nicht dokumentiert.